Freitag, 18. Juli 2008
Edmonton - Gateway to the North
Grund genug, uns also mit warmen Kleidern einzudecken. Vorerst stand allerdings der Besuch bei Fraserway Edmonton auf dem Programm. Der Mechaniker ersetzte die Haken durch Staerkere. Somit koennen wir hoffentlich ohne weitere Pannen weiterfahren. Wir fragten noch nach Reservehaken doch er winkte ab. Diese brauechten wir nicht... Wir wollen es hoffen :-)
Danach haben wir uns die Body World Ausstellung angesehen, die im World of Science von Edmonton untergebracht ist. Zu sehen waren Darstellungen der ganzen Anatomie des Menschen. Das besondere dabei: Die Organe, Knochen etc. sind echt. Das heisst, Verstorbene wurden mittels Plastifizierung haltbar gemacht und in Posen gerueckt. Dies war sehr eindruecklich und fuer Daniela natuerlich die beste Gelegenheit, das Gelernte aufzufrischen.
Den folgenden, wieder sonnigen und warmen Tag haben wir mit einer Stadtrundfahrt begonnen und im weltweit groessten Einkaufszenter beendet. Bowling durfte natuerlich nicht fehlen. So kippten wir so gut wir konnten mit Hilfe der Kugel die Kegel um.
Nach einem weiteren Einkaufstag sind wir nun komplett eingedeckt und auch am umkippen. Wir haben wetterfeste Jacken, warme Kleider und genuegend Nahrungsmittel fuer die morgige Weiterreise in den Norden. Dahin wollen auch andere Schweizer. Wir guckten ganz bloed aus der eben anprobierten Waesche, als bekannte Gesichter aus dem Aegerital vor uns standen. Sie bleiben ein wenig laenger in Kanada und arbeiten zwischendurch als Volontarier.
Damit wir zwei Morgen auch rechtzeitig aus den Federn moegen, schliessen wir hier nun, das Einkaufszenter hat das eben auch gerade getan. Good night and good luck!
Dienstag, 15. Juli 2008
Jasper. Wonderful. By Nature.
Fuer den Freitag erwies sich der kanadische Wetterbericht als erstaunlich zuverlaessig. Sonnig, mit wenigen Wolken und rund 17 Grad kuehl. Am Morgen war davon aber noch nicht viel zu spuehren, nur dank der zuvor getesteten Heizung konnten wir die draussen herrschenden 5 Grad etwas egalisieren.
Der Johnston Canyon war umweit des Campgrounds. Wir wollten nicht bloss die Wasserfaelle besuchen, sondern den Weg bis zu den "Inkpots" bewandern. Diesen Tipp hatte uns Mike (der Fernglasverkaeufer in Calgary und selber Fotograf) gegeben. Es hatte ziemlich viele Leute unterwegs und wir brauchten fuer die insgesamt 12 Kilometer den ganzen Nachmittag. Wir leisteten einer aelteren Dame erste Hilfe, die ausgerutscht war. Sie konnte wegen ihrem deformierten Knoechel nicht mehr aufstehen, so stabilisierten wir mit improvisierten Mitteln und blieben die 2 Stunden bis zum Abtransport bei ihr. Danach konnten wir uns wieder unserer Wanderung widmen.
Schmunzeln mussten wir ueber den Kommentar eines Ehepaares aus New York: "Wow, wir sind so stolz, haben wir es nach oben zu den Upper Falls geschafft." Wir entgegneten dass wir nach ganz oben zu den Inkpots wollten. Da schaute sie uns beinahe entgeistert an: "Was, ihr wollt weiter? Das sind nochmals 1,5 Stunden!" Sie fragte, ob wir Wasser dabei haetten, worauf ihr Mann sagte: Schatz, das sind Profis, wir sind Stadtmenschen. ("Honey, they're professionals, we are city people.")
Vorbei an den praechtigen Upper Falls ging es weiter nach oben auf einem schoenen Wanderweg zu den Inkpots. Dabei konnten wir wieder ein Deer beobachten. Sogar aus sehr kurzer Distanz! Zu den Inkpots: Das sind farbenpraechtige, 1-2 m tiefe, kleine Seen, die vom Seegrund aus gespiesen werden und zurueck in den Johnston Creek fliessen. Ein sehr idyllisches Plaetzchen. Erstaunt waren wir ueber die Bemerkung zur Wanderung. Fuer unsere Verhaeltnisse eine kleine, leichte Wanderung ist sie hier als anstrengendere, eher fuer geuebte Wanderer bezeichnet... So waren wir gottlob auch nicht von lauter Leuten umgeben. Wir koennen dir nachfuehlen, Didi: Menschen koennen einem wirklich auf den Sack gehen...
Muede aber erfuellt fuhren wir in Richtung Lake Louise und freuten uns riesig ueber den Baer der vor uns ueber die Strasse trottete. Endlich, ein Baer! Ein grosser, richtiger Baer und das ohne Fernglas! Angekommen in Lake Louise suchten wir nach einem Camping Platz. Die waren alle ausgebucht, wir hatten nicht bedenkt, dass Wochenende war. So stellten wir den Truck auf einem mit Overflow vermerkten Parkplatz ab. Das sind Plaetze die vereinzelt zur Verfuegung gestellt werden, wenn saemtliche Camping Plaetze fuer RVs ausgebucht sind. Cool, gratis uebernachten!
Ein Wort noch zu den RVs: RV steht fuer Recreational vehicle ("Erholungsfahrzeug") und meint Wohnwagen. Unser Truckcamper geht auch unter RV aber eigentlich ist ein RV ein riesiger Lastwagen, an dem meistens ein kleiner Kompaktwagen (z.B. GMC Yukon XL) als Zweitfahrzeug dranhaengt. Das ist ein RV.
Am naechsten Tag beschlossen wir uns den Lake Louise und den Moraine Lake anzusehen. Wiederum waren diese Sehenswuerdigkeiten voll von Touristen. Lange hielten wir es nicht aus. Es war total ueberfuellt. Zum Glueck haben wir im 2003 diese Seen bereits gesehen und so sind wir kurz danach zum Campground in Lake Louise zurueckgekehrt und spaziertem dem idyllischen Bow River entlang. Bis auf zwei Biker waren wir alleine. Wieder im Campground freuten wir uns riesig auf ein Feuer und ein leckeres Steak. Herrlich! Spaeter am Abend trafen wir auf ein Deutsches Paar, das vor einigen Jahren ausgewandert ist und uns eingeladen hat, bei ihnen suedlich von Edmonton vorbeizuschauen. Leider liegt es nicht auf unserem Weg.
Am Sonntag ging die Fahrt in Richtung Jasper los. Die erste Station war das grossumschwaermte Columbia Icefield. Angesichts des Preises und der Menschenmasse haben wir uns entschieden, nicht mit den Spezialtrucks auf den Gletscher zu fahren, sondern bis zur Gletscherzunge zu gehen. Mit dem Fernglas konnten wir eine ganze Menge sehen. Ist sehr eindruecklich, stimmt aber ehrlich gesagt auch nachdenklich. Ueberall sind Pfeiler angebracht mit den Jahreszahlen bis wohin der Gletscher reichte. Nur schon in den letzten zwanzig Jahren ist der Rueckzug gewaltig.
Da es mittlerweile zu regnen begonnen hatte machten wir uns auf den Weiterweg. Die Columbia Icefields sind etwa auf halbem Weg zwischen Banff und Jasper und wir wollten in die Naehe von Jasper gelangen. Bei den Athabasca Falls mussten wir aber einen Halt einlegen. Und einmal mehr staunten wir, wie das Wasser sich ueber Jahrtausende einen bzw. mehrere Wege durch Felsen gefressen hat.
Der Athabasca River ist eigentlich recht breit und fliesst gemuetlich gen Norden. Aber an dieser Stelle muss er sich mit wenig Platz begnuegen und tost in eine schmale Schlucht um dahinter wieder seine urspruengliche Breite anzunehmen. Wunderschoenes Szenario.
An dieser Stelle haben wir einen Nebenweg eingeschlagen. Anstelle des Highways 93 direkt nach Jasper zu nehmen, bogen wir auf den 93A ein. Ein alte Strasse, einspurig in beide Richtungen und der Belag zeigt Abnuetzungserscheinungen. Wenig Verkehr und gemuetliches Tempo fuer die Besichtigung der Gegend ist die Belohnung dafuer. Wir entschieden uns, im Wabasso Campground unsere Nacht zu verbringen und konnten gerade noch zu Abend essen, bevor der Himmel zu weinen began. Die Nacht waren wir auch ziemlich viel wach, erstaunlich, wie viel Laerm durch auf Plastik auftreffende Regentropfen entstehen kann.
Wir fuhren nach Jasper und traffen bei der Jasper Tramway Station auf ein Schweizer Paerchen - und eine Schlange. Die Schlange hiess, ein wenig mehr als eine Stunde warten und die netten Basler empfahlen uns einen Ausflug zum Mount Edith Cavell. Wir machten uns auf die bisher holprigsten 14 km unserer Reise und folgten dann dem Wanderweg. Der Angel Glacier ist anzutreffen, zumindest sieht man noch eine Zunge vom Berg haengen, der Rest entzieht sich der Blicke der Besucher. Ein Teil des Gletschers ist jedoch zusammen mit dem Gletschersee zurueckgeblieben und bietet eine sehr schoene Sicht. Wiederum ist der Rueckzug des Gletschers eindruecklich aufgezeichnet.
Sowie das harte Eis im See langsam dahinschmolz, zeigte sich auf unserer holprigen Rueckfahrt ein anderes Material von seiner weichen Seite: Chromstahl. Die Campereinheit wird von vier Ketten am Truck gehalten. An jeder Kette sind vier Stahlhaken, einer jeweils an der Campereinheit, der andere an der Kette. Verbunden sind sie mit einer Spannvorrichtung. So, und bei den beiden hinteren Ketten haben drei Haken beschlossen, kuenftig nicht mehr krumm sein zu wollen, sondern beinahe gerade. Geklapper und Kettengerassel war die Folge, die Haken loesten sich und die Ketten baumelten so nutzlos herunter wie ein eben erhaengter Gringo vom Baum.
So herunterzufahren empfiehlt sich nicht, weshalb die Haken wieder mit Hilfe von Steinen benutzbar gemacht wurden. Sitzt, passt und hat Luft - fand auch der Mechaniker in Jasper der das kontrollierte und meinte, es sei alles in Ordnung. Aha. Wir werden uns auf jeden Fall mit Ersatzhaken ausruesten, schliesslich erwarten uns mehr als 1500 km Schotterpiste.
Wir machten uns trotz den unguenstigen Vorzeichen auf den Weg zum Maligne Lake, vorbei am Medicine Lake. Die malerische Strasse entlang dem Maligne River fuehrt in knapp 50 km zum See und ist bekannt fuer viele Tiere - "egal zu welcher Tageszeit man durchfahre, man begegne Wildtieren". So waren wir ziemlich gespannt, hielten den Fotoapparat bereit und konzentrierten uns auf alles was sich bewegte. Und das war - nichts. Es schien, als haetten die Tiere das gespuert.
Am Ende der Strasse liegt der Maligne Lake - ein grossartiges Ausflugsziel. Die als spektakulaere Bildkulisse verheisste Spirit Insel liegt 14 km vom Ufer entfernt und ist nur per Boot, Kanu oder schwimmend zu erreichen. Der Versuch, mit dem Kanu dahin zu paddeln, waere ziemlich anspruchsvoll. Das letzte Schiff hatte bereits abgelegt und so haben wir uns mit den Fotos begnuegt. Die Fahrt mit dem Ausflugsboot wird ohnehin zu einem Wucherpreis angeboten. Die 90 minuetige Fahrt kostet 47 CAD pro Person.
Wir kehrten ziemlich spaet zurueck in den Campground. Das Wetter fuer die naechsten Tage verheisst nichts Gutes, so beschlossen wir, gleich heute nach Edmonton weiter zu reisen.
Donnerstag, 10. Juli 2008
Discover Banff
Wir statteten dem Visitor Center einen Besuch ab und da es schon spaet war machten wir uns gleich in Richtung Campground auf. In den Nationalparks sind die Campgrounds alle staatlich betrieben. Sie unterscheiden sich von den privaten Campgrounds durch geringfuegig weniger Komfort (zum Beispiel keine Seife und keine Papiertuecher in den WCs). Dafuer sind die Staatlichen viel besser in die Natur integriert, es hat massig Baeume und das Feuerholz kostet eine Pauschale. Einzelne Buendel an den Tankstellen oder in den privaten Campgrounds sind naemlich recht teuer.
Frohen Mutes bedienten wir uns also am Feuerholz und entfachten ein Feuerchen um den geschenkten Speck ordnungsgemaess erwaermen zu koennen. Ein paar Gummel landeten per Flugparabel in der Glut. Wir wunderten uns ueber die zahlreichen Loecher um die Feuerstelle. Welche Mitbewohner da wohl hausen moegen? Das Raetsel wurde am naechsten Morgen gelueftet, das Begruessungskomitee war ueberwaeltigend. Mehr als ein halbes Dutzend Tierchen der Gattung Golden-mantled Ground Squirrel tollten um uns herum und zeigten sich ueberhaupt nicht menschenscheu.
An diesem Tag starteten wir unsere erste Wanderung entlang dem Spray River, einem wunderschoenen Nebenfluss, der in Banff in den Bow River muendet. Wir waehlten den inoffiziellen Weg, viel naeher am Wasser und nicht die fuer Bikes und Pferde verbreiterte Beinahe-Autobahn. Hat sich sehr gelohnt, eine praechtige Flora und viele Tierchen begleiteten uns. Sogar ein White-Tailed Deer sprang in kurzer Distanz vor uns ueber die Strasse und schaute uns dann lange mit seinen ueberaus grossen Ohren an. Die Tiere werden also immer groesser, und das nicht bloss wegen des Fernglases.
Muehsame kleine Tierchen begleiten uns aber immer noch: diese haesslichen Moskitos schlagen immer wieder arg zu. Arno wurde an den Armen grob zugerichtet. Komischerweise wollten - bei dieser Wanderung zumindest - die Dinger von Daniela nichts mehr wissen. So lernen wir also, den Anti-Mueckenspray schon morgens nach dem Aufstehen zu benutzen. Am Abend genossen wir im "The Keg" ein herrliches Steak. Das war sowas von lecker!
Am Mittwoch konnten wir - oh Wunder - relativ frueh aufbrechen zu unserer Wanderung auf den Sulphur Mountain. Wir waren ziemlich ueberrascht und erfreut ueber das herrliche Wetter, entgegen den vor 2 Tagen vorausgesagten Verhaeltnissen. Auf dem Weg nach oben begegneten wir nicht sonderlich vielen Touris, einige Tiere zeigten sich ebenfalls. Es gibt hier auch viele Schmetterlinge zu sehen, einer schoener als der andere.Oben angekommen freuten wir uns ueber das aufstiegsbelohnende Panorama ueber Banff und das Bow Valley! Die Weitsicht war atemberaubend!
Sicht auf Banff und den Bow River, linkerhand Cascade Mountain (2998 m)
Es windete aehnlich wie auf dem Jungfraujoch, so mussten wir die Muetzen immer wieder gut festhalten. Dank den Jacken aus dem Rucksack mussten wir nicht allzusehr frieren wie andere Touris in T-Shirt und kurzen Hosen. Den Weg nach unten ueberliessen wir teilweise der Schwerkraft - und Schweizer Handwerk: Die Gondel wurde naemlich von Garaventa installiert.
Fuer heute Donnerstag war Regen mit Blitz und Donner bei hoechstens 12 Grad angekuendigt. Bullseye! Wobei die 12 Grad sogar noch optimistisch zu bewerten sind. Wir haben ausgeschlafen, den ersten Defekt am Camper verursacht (ein Ast war dem Dachlicht im Weg, oder umgekehrt) und sind zum Lake Minnewanka gefahren. Sehr malerisch und die Strassen und Parkplaetze waren wie leergefegt. Ein kurzer Spaziergang musste uns dann genuegen, es regnete immer wieder. Wir stockten die Lebensmittelvorraete auf und verbrachten etwas Zeit im Internet...
Jetzt geht's weiter in Richtung Norden, aber nur wenige Kilometer. Wir moechten den Johnston Canyon bewandern und der Campground davon ist unweit von Banff. Wir vetrauen der Prognose fuer morgen: Wieder sonniger und etwa 17 Grad.
Montag, 7. Juli 2008
Get your head in a hat!
Wie vielleicht bemerkt wurde, gibt es keinen Tageseintrag mehr, dafuer ist die Sache doch zu aufwendig. Wir wollen auch noch was sehen, und nicht bloss ueber die Neuigkeiten informieren :-)
Wir hoffen, im Zeitraffermodus falle nichts Erhebliches unter den Tisch.
Calgary
Am Dienstag haben wir erstmal Calgary erkundet. Die Stadt selbst ist nicht unbedingt gross und auch nicht sonderlich schoen. Sie gleicht mehr einer riesigen Baustelle. Im Zentrum wird wie wild gebaut. War der Calgary-Tower vor 20 Jahren noch das hoechste Bauwerk weit und breit, geht er heute zwischen den Wolkenkratzern fast unter.
Der sehenswerte Teil bildet die schon erwaehnte Stephen Avenue mit einigen Shoppingmalls - die natuerlich teilweise besucht wurden. Unter anderem wurde ein Fernglas erworben. Wenn's nur noch Kleintier zu sichten geben sollte, dann erscheinen diese damit wenigstens eindrucksvoll gross und gefaehrlich. Schliesslich musste auch ein passendes Outfit fuer die Stampede her. Ein Hut und ein Paar Stiefel sollten's schon sein. Und da Mann und Frau eben waehlerisch sind, brauchte das seine Zeit.
Zu unserer Freude hat uns ein Deutsches Ehepaar am Abend ihre Vorraete weitergegeben, da sie am naechsten Tag abreisten. Als Dank haben wir sie zu einem Martini eingeladen (so ziemlich das Einzige was wir anzubieten hatten). Wir redeten bis in alle Nacht und vergassen prompt die Waesche. Natuerlich war jetzt die Laundry geschlossen und am naechsten Morgen hatten wir wegen der Parade keine Moeglichkeit mehr, diese zu holen. So blieb die Waesche halt 1,5 Tage im Tumbler liegen...
The greatest outdoor show on earth
Am Freitag Morgen besuchten wir dann die Stampede Parade. Die Stampede geht hier unter dem Motto "The greatest outdoor show on earth" ueber die Buehne. Das ist sie vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Im Herzen als Rodeofestival geboren ist einiges dazugekommen, auf uns wirkte das wie eine Mischung aus Fasnacht und Chilbi. Die Parade glich denn auch einem Fasnachtsumzug und die Strassen waren dementsprechend belagert. Als Nordamerikaner ist BYOC (Bring your own chair) ein angeborenes Verhalten (wie dem Bauer der Melkstuhl). Der Route entlang waren lauter Stuehle zu sehen, vereinzelt auch Schlafsaecke. Wie wichtig den Einwohnern von Calgary die Stampede ist, wurde uns mehrmals bewusst, als wir Leute darauf ansprachen. Viele nehmen dafuer die 10 Tage frei, Geschaefte haben nur halbtags geoeffnet, Fahrplaene sind mit Ausnahmen versehen und Strassen werden gesperrt.
Nach der Parade wurden die durchgefrorenen Glieder wieder gefuehlvoll - mit einem zuenftigen Drink - erwaermt. Das Wetter in und um Calgary ist mehr als komisch. Wir hatten nur zwei strahlend schoene Tage, der Rest war durchwachsen. Von wolkig bis rabenschwarze Nacht um drei Uhr nachmittags gibt's zu unserem Erstaunen noch ziemlich viel dazwischen. Auch die Temperatur entspricht eher unseren Vorstellungen von Nordkanada. 25 Grad sind das hoechste der Gefuehle, weit weniger die Regel.
Come down get away
Wir besuchten natuerlich ein Rodeo im Stampede Ground. Das findet am Nachmittag statt, dauert mehr als 2 Stunden und ist sehr abwechslungsreich. Alle Wettbewerbssparten finden jeden Tag statt, zum Beispiel "Bareback", "Bull riding" und "Saddle Bronc". Zu Deutsch: Zu Ross ohne Sattel, Bullen reiten und wieder Hafertraktor, diesmal gesattelt.
Bull Riding
Neben dem Rodeo finden auch andere tierische Wettbewerbe statt. Das "World Stock Dog Championship" hat uns sehr amuesiert. Ein Hund mit Herrchen versucht dabei drei Schafe zuerst um zwei Tonnen und eine Gatter-Verengung zu fuehren. Zum Schluss sollen die daemlichen Tiere (sorry, aber wenn der Hund nicht in der Naehe ist, stehen die einfach bloed da und geben Laute von sich - Baaeeehh ;-) in einen Pferch getrieben werden. Wie bei allen Wettbewerben ist alles streng reglementiert: Der Hirte darf den Hund nur mit Pfiffen "lenken" und sich kaum bewegen. Der Hund darf weder die Schafe beruehren noch bellen. Nach 4 Minuten ist der Spass vorbei. Wenig Zeit, wie wir feststellen konnten. Aber trotzende Schafe sind einfach zu drollig und so war Daniela die einzige im ganzen Saddledome die immer wieder losprustete.
Ein Besuch der Grand evening show stand natuerlich auch noch auf dem Programm. Das Wagenrennen (Chuckwagon) war maessig spannend, vielleicht auch deshalb, weil es wie aus Kuebeln zu schuetten begann. Der Showteil war schoen und witzig gestaltet und das abschliessende Feuerwerk einfach toll.
Alles in Allem hat uns die fuenfte Jahrszeit von Calgary sehr gefallen - und ist definitiv sehenswert! Vor allem da es hier die von uns ueber alles geliebten "Those little donuts" gibt! Wir haben die Dinger im 2003 in Vancouver an der PNE genossen und wie in Erfahrung zu bringen ist, gibt's die praktisch an jeder Chilbi, aber halt nur dort - wie bei uns Zuckerwatte. Auf Wiedersehen in Edmonton an den Klondike Days, Yiihaa!
Dienstag, 1. Juli 2008
Calgary – Heart of the New West
Calgary ist um ein paar Grad kuehler als was wir bisher so erlebt haben, also ziemlich schweizerisch. Grauer Himmel, 16-19 Grad und sporadischer Regen. Na toll. Immerhin meinte der kanadische Bucheli, auf die Stampede hin am Wochenende sollte es 25 Grad und schoen werden. Mal sehen ob die Ueberseevariante des Wettermanns zuverlaessiger ist als unsere.
Auf dem Weg nach Downtown beim Abbiegen gab Daniela folgenden Kommentar von sich: "Achtung! Da Mensch!" (Anmerkung Daniela: Es haet ja au muesse schnell gah!).
Parkplaetze in Downtown zu finden ist ziemlich schwierig und teuer. Anfaengerglueck oder Koennen :). Auf jeden Fall kriegten wir einen Parkplatz ohne Suchen und kriegten von einer freundlichen Dame auch gleich das noch 2 Stunden lang gueltige Ticket. Dies dank Daniela, die im Camper noch eine "kurze" Ewigkeit verbrachte, um lange Hosen und Jacke zu montieren. Der Kauf einer warmen Jacke wird wohl nicht lange auf sich warten lassen!
Der Stadtkern zeigt einige schoene Sachen und der Tower wird sicher auch noch unseren Besuch erhalten. Heute ist ja der 1. Juli und somit Canada Day. Trotz dieses Feiertages und der Feierlichkeiten wirkte die Fussgaengerzone (Stephen Avenue) ziemlich ausgestorben.
Zurueck im Campground hat Daniela den Moskitospray vergessen als sie 2 weitere Naechte im Office buchte und kam noch verstochener zurueck. Arno hat hier mehr Glueck. Fazit nach 4 Tagen campen: 21 Mueckenstiche zieren Daniela's Waden. Zur Feier des Tages liessen wir den Korken im sprichwoertlichen Sinne knallen. Der Korken kam ca. 10 m entfernt neben einer Motorhaube zu liegen. Dieser Spass zog etliche Blicke auf sich, was uns noch mehr lachen liess. Weiss nicht wo Arno mit den Gedanken war. Daniela sagte "Prost" und Arno erwiderte "Tschuess...." - wir fingen an loszuprusten, er hat den Versprecher sogleich bemerkt :).
Ach ja: Tanken ist auch hier nicht guenstig (Diesel ist teurer als Benzin) und der Truck erweist sich erwartungsgemaess als ziemlich durstig. Wir haben bis jetzt 2 mal getankt: 231 Liter fuer ca. 1'100 km, der Literpreis bewegt sich so um die 1.42 $.
Die naechsten Tage sind fuer Calgary eingeplant, am Freitag geht die Stampede los und da wollen wir auch noch vorbeischauen. Die Baeren und anderes Getier koennen ihre Ruhe vorlaeufig noch geniessen.
Montag, 30. Juni 2008
Alles Nasse kommt von oben
Auch haben sich wieder Tierchen von uns sichten lassen. Spinnen posierten in ihren Netzen, Raupen, nun ja, raupten sich ueber den Weg und Schmetterlinge genossen die wenigen Sonnenstrahlen auf ihren Fluegeln. Ja, die grossen Tiere lassen noch auf sich warten, aber wer grosses vorhat, muss das auch mit einem kleinen Schritt tun ;)
Als wir uns dann auf den Weg nach Calgary machten, setzte ein netter Platzregen ein und Daniela schwaermte von der wunderschoenen Stimmung, waehrend Arno der Sonne nachtrauerte. Wir erreichten Calgary erst am Abend und horchten schon frueh an der Matratze.
Sonntag, 29. Juni 2008
Schneegrenze: 1600 m
Wir fuhren am Westufer des Okanagan Lake entlang. Das war nicht die Hauptverkehrsverbindung und so konnten wir die herrliche Gegend praktisch verkehrslos geniessen. Wunderschoen! Der See schien irgendwie nicht zu enden. Die Groesse und Weite des Landes praesentierte sich so vorzueglich :).
Wiederum keiner grossen Eile ausgesetzt buchten wir einen Platz auf einem Campground in Revelstoke. Vor 5 Jahren hatte es uns dieser niedliche Ort bereits angetan und so beschlossen wir, uns etwas laenger dort aufzuhalten. Das war auch bitter noetig, die erste Halbzeit war bereits zu Ende. Ja, zu unserem Erstaunen wissen hier viele Bescheid, was in Europa sporttechnisch vor sich geht. So lautete unsere erste Frage im Visitor Center denn auch, wo der naechste Fernseher sei. Die Dame meinte, das Regent Inn Pub sei eine gute Anlaufstelle und tatsaechlich war das halbe Pub mit Europaeren gefuellt. Deutsch und Schweizerdeutsch waren haeufig gehoert und so gesellten wir uns fuer die zweite Halbzeit und einem Mittagessen dazu.
Samstag, 28. Juni 2008
Von Hope nach Kelowna
Vor fuenf Jahren naechtigten wir schon einmal in dieser Gegend, leider liessen die damals herrschenden Waldbraende und die Evakuationen der Bevoelkerung von Kelowna keine allzu schoenen Urlaubserinnerungen zu. Die Nachwirkungen sind immer noch sichtbar, besonders die leucht-gruenen Waldbereiche, die nachwachsen.
Die Region ist bekannt fuer ihre vorzueglichen Weine. Hier herrscht ein recht trockenes Klima, das Meer ist in weiter Ferne. Verbunden mit der momentan herrschenden Hitze (32 Grad) bekommt eine Rebe ideale Voraussetzungen.
Nachdem eines dieser Troepfchen gekauft wurde, stellten wir den Camper auf den Parkplatz des Bear Creek Provincial Park ab und stiegen in die Badeausruestung. Der Okanagan Lake war sehr erfrischend, um nicht zu sagen huere chalt.
Freitag, 27. Juni 2008
We're now beyond Hope...
Vorweg vielen Dank fuer die lieben Glueckwuensche, wir freuen uns sehr darueber. Und die Tastaturen hier nerven, ohne Umlaute laesst sich kaum anstaendig schreiben. So.
Die Abfahrt stand nun unweit bevor, doch waren vorab noch weitere Einkaeufe noetig. Die Geduld von Mike wurde noch mehr strapaziert. Wir hatten einige Muehe, bei dieser abartigen Auswahl das Gewuenschte auch tatsaechlich zu finden. Um 14 Uhr fuhren wir dann los! Das Wetter zeigte sich von der schoensten Seite - es war keine Wolke zu sehen und warm war es auch - herrlich! Wir freuten uns riesig auf die erste Nacht im Camper, die wir in Hope verbrachten. Allerdings waren wir ueber die grosse Anzahl der aggressiven Moskitos gar nicht erfreut, zumal wir uns noch gar nicht im Norden befinden.
Donnerstag, 26. Juni 2008
If you can't Dodge it, RAM it
Zu unserer und deren Ueberraschung trafen wir Reto und Daniela dort an, die ihr Gefaehrt soeben abgegeben haben. Ihre Reise endete am naechsten Tag, unsere sollte erst beginnen.
Wir erledigten den Papierkram und machten uns auf dem Weg zum Camper. Ein Mann von Fraserway sollte noch folgen und uns instruieren. Warten liegt uns jedoch nicht so und Arno fand kurzerhand den Schluessel. Also auf eigene Faust erkunden.
Boah ey, das Ding ist brandneu, drei Monate alt und erst 8000 km drauf! Einen Dodge RAM 3500 mit einem 6,7 Liter Cummins Diesel haben die uns hingestellt. Der Camperaufsatz ist um einiges geraeumiger, als wir uns vorgestellt hatten. Tisch und zwei Baenke, Gasherd mit Ofen, Doppelspuelbecken, Dusche und genug Ablagefaecher, wir sind begeistert! Ok, Arno waere ein Benziner lieber gewesen, die Traktorengeraeusche sind schon recht uebel.
Der Herr ist dann doch noch aufgetaucht und so konnten wir den Camper guten Gewissens mitnehmen. Am Nachmittag gingen wir einkaufen, Grundnahrungsmittel und ein paar andere Dinge fuer das Camperleben waren noetig.
Am Abend folgte ein richtig gutes BBQ bei meiner Cousine, deren Sproessling Eric 8 wurde. Es fand sich die ganze Familie ein um einen schoenen Abend zu verbringen.
